Google stirbt

Was waren das noch für rosige Zeiten, als wir x-Tausend Spamseiten per Hand erstellt (Keyword Platzhalter mit der Guttenberg-Tastatur ausgetauscht) und jede einzelne URL bei Fireball, Altavista & Co. angemeldet haben.

Dann kam Google und es wurde nicht schwieriger. Nach und nach jedoch schaffte es Google den Black- und White-Hatern das Leben schwer zu machen. So gingen einige Jahre  ins Land – seit langem und bis heute ist Google die Marktmacht im Internet.

Doch Google hat sich verlaufen. Eigentlich schwer zu glauben, dass ein Unternehmen, welches die besten Ingenieure der Welt bezahlt, in die falsche Richtung läuft.

Gehen wir noch einmal ein paar Jahre zurück. Google ist bekannt für seine Datensammelwut. Irgendwann hat Google gemerkt, dass sie mit Hilfe der Daten nicht nur auswerten können, wie oft das Wort „Sex“ gesucht wird, sondern auch das sie mit Hilfe der Suchmaschine die Innovations-Entwicklungs-Maschine schlecht hin besitzen.

Wissen ist Macht. Und Google weiß…

  • was die Konkurrenz aktuell macht
  • was andere Unternehmen machen
  • was die Menschen wann und wie wollen (Google war nicht umsonst so scharf auf Groupon)
  • welche Märkte sich in welche Richtung entwickeln (Mobile-Markt)
  • welche Produkte toppen werden
  • welche Produkte floppen werden
  • was der Geier weiß noch…

Google ist keine Suchmaschine, es ist gewaltiges Vorhersage-Tool. Alleine ein Blick in Google Trends oder Insights verschafft einem eine kleine Ahnung davon, wie mächtig Google ist. Und ich möchte gar nicht wissen, welche Backend-Tools Google selbst benutzt. Wahrscheinlich hat sich Larry eine Überwachungszentrale á la Minority Report gebastelt.

Google verliert den Fokus

Aufgrund des geballten Wissens und der Macht die Google potentiell und tatsächlich besitzt, ist es natürlich nicht verwunderlich, das man sich in sämtliche Richtungen ausbreitet.

Bis heute ist Google nicht nur Monopolist als Suchmaschinenbetreiber sondern auch unter anderem in folgenden Bereichen tätig:

  • Customer relationship management
  • Online advertising
  • Social Networking
  • Mobile
  • Broadband internet access
  • Publishing (YouTube, Google Groups, Google Maps, Feedburner, …)
  • Software

Heißt es nicht immer Schuster bleib bei deinen Leisten? Einige Bereiche mögen gute Synergieeffekte haben, aber was Google inzwischen alles unter einen Hut zu bringen hat ist enorm. Irgendetwas muss dabei auf der Strecke bleiben – Und das ist das Kerngeschäft: Die Suchmaschine selbst.

Google verbessert sich nicht

Google diktiert. Und jeder weiß, das Diktatur kein solides Modell ist.
Wir haben das Jahr 2011 und Google verhält sich wie vor fünf Jahren. Auch wenn Matt Cutts in seinem Blog predigt wie toll ihre Suchmaschine geworden ist, sind viele anderer Meinung. Der User selbst regt sich darüber auf, keine guten Ergebnisse zu finden und der Webmaster selbst, das Google sich seit eh und je verschlossen hält, als ob ein Schweigegelübde auf Lebenszeit abgelegt worden wäre.

Als User möchte ich nicht total veraltete Websites/Dokumente/Forenbeiträge finden. Als Internetmarketer/Publisher/Webmaster ist es einfach unmöglich Google alles recht zu machen. Es heißt immer Content ist King. Gut und schön aber die ganze Branche ist einfach davon abhängig welche Laune (Algorithmus) Google gerade hat. Selbst wenn man versucht alles richtig zu machen, knallen kann es trotzdem: Dann steht man ziemlich beschissen da und hat nicht den leisesten Schimmer warum man plötzlich keine Besucher mehr erhält. Offenbar arbeiten bei Google keine Menschen sondern nur Maschinen. Wie soll ein Kind wissen, was es falsch gemacht hat, wenn es nur eine geknallt bekommt ohne zu wissen warum? Gar nicht. Es könnten 1000 Gründe sein.

Eine ganze Branche kümmert sich heute teilweise mehr darum es für Google richtig zu machen, als sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sobald Google merkt, das etwas irgendwie nicht so gut läuft, schreiben sie den Seitenbetreibern neue Gesetze vor. Zum Beispiel nofollow. Ahja – Wir müssen also alle möglichen Links mit nofollow versehen, weil Google einfach zu doof ist seinen Algorithmus zu verbessern.

Warum hat es Google bis heute nicht geschafft in den Webmastertools eine Mitteilung zu stellen, die bei jedem Penalty oder jeder Verwarnung zeigt was genau schief gelaufen ist? Ich schweife ab…

Google verpasst den Social-Zug

Facebook hat inzwischen über 600.000 Millionen User. Ich schätze in absehbarer Zeit werden es 1 Milliarde Menschen sein und das ist 1/6 der Weltbevölkerung. Was mich immer gewundert hat: Warum Google nie wirklich Daten der Nutzer zur Verbesserung der Suchmaschine genutzt hat. Ist das wirklich so schwierig z.B. einen „Daumen hoch“ bzw. „Daumen runter“ neben jedes Ergebnis zu packen? Jetzt kommt mir nicht mit „Das kann man aber manipulieren“. AdWords scheint schließlich auch zu funktionieren und theoretisch könnte man alle seine Konkurrenten pleite klicken, was aber offensichtlich nicht funktioniert. Mit dem richtigen Algorithmus, hätte Google da eine Chance auch Benutzerbewertungen mit einzubeziehen – Was Google aktuell auch testet. Einige mögen das für Grenzwertig halten. Ich bin da anderer Meinung. Man muss eben neue Wege gehen, Links alleine sind keine Zukunft.

Facebook ist also immer mehr im Trend. Und die haben auch den tollen Like-Button. Bing kooperiert inzwischen mit Facebook. Bing hat also theoretisch Zugriff auf diese Daten. Je mehr Social Media Daten wie „Likes“ etc. in einen Topf gebündelt mit einem guten Algorithmus geworfen werden, desto wahrscheinlicher ist es auch valide und relevante Ergebnisse zu liefern. Es ist ja nicht so, das man sich alleine auf „Like“-Daten verlassen muss. Ich gehe mal schwer davon aus, das Bing auch in der Lage ist Backlink-Strukturen wie Google auszuwerten. Nur Bing hat inzwischen den Vorteil auf Social Media Daten zuzugreifen. Das wird in Zukunft immer wichtiger werden.

Foren sind tot, es lebe Social Websites á la Quora. Nichts ist mehr wirklich statisch, jeder hat Einfluss auf alles. Wo im Social Web ist Google richtig innovativ dabei? Die haben den Zug einfach abfahren lassen, weil andere Dinge wichtiger waren. Mit Menschen hat es Google halt nicht so.

Larry Page wird plötzlich CEO

Was ist das denn? Hat er eventuell gemerkt, das er den Anschluss vor seinem Minority-Screen verpasst? „Hey Eric, das läuft irgendwie alles Scheisse hier, lass mich mal ran! Aber lass uns das so überhastet machen, das ich nicht mal vor der Belegschaft als neuer CEO vorsprechen werde!“.

Google schaltet TV-Werbung

Ich dachte immer, ein gutes Produkt benötigt keine Werbung. So war es ja auch immer bei Google. Und jetzt plötzlich sehe ich Google Werbung hier, Google Werbung da – Wenn, das mal kein Anzeichen von Torschusspanik ist.

Die Suchmaschine Google ist kein schlechtes Produkt. Ich schreibe einfach gerne im provokanten Stil. Aber Google ist inzwischen das erstemal wirklich in Gefahr auf lange Sicht (~ 5 Jahre) die Stellung zu verlieren, die sie besitzen. Lange war das undenkbar. Die nächsten fünf Jahre wird sich im Bereich Social Media, Search und Mobile sehr viel verändern.

Ein Gedanke zu „Google stirbt

  1. A++

    Ja, sehe ich auch so. Und vor allem drehen sie momentan recht planlos an den Stellschrauben – zumindest gibt es in dem kleinen Bereich den ich beobachte dramatische Veränderungen und die haben leider keine besseren Ergebnisse auf die ersten Plätze gespült sondern einfach nur andere und teilweise sogar recht merkwürdige. Es stimmt, dass google sich zu sehr auf seine Technik verlässt, aber da diese die letzten Jahre eigentlich immer noch ganz gut funktioniert hat sollten sie jetzt nicht aus Panik diesen Trumpf verspielen.

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